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Die vergessene Lichtung - eine Fallstudie
Belege? Gerne. Ich nehme mir einmal exemplarisch die Webseiten
der "vergessenen Lichtung" vor.
Ich will mich nicht lange mit den formalen Dingen aufhalten,
aber ohne eine Kritik der Präsentation komme ich hier nicht aus.
Die Vergessene Lichtung, der Titel alleine ist schon der alberne
Versuch einer Provokation gegen Die Lichtung.
Nach einem überflüssigen Splash-Screen wurde der Besucher auf eine Seite
voller Paragraphen
mit Nutzungsbedingungen geleitet -- ich habe mir die Freiheit genommen,
diese zu parodieren. Dies allein
sollte eigentlich schon jeden potenziellen Leser abschrecken. Und
zwar alleine durch ihre Albernheit. Sorry, wer etwas ins Web
stellt, ist auch dafür verantwortlich und kann sich nicht mit
Einschüchterungen und Haftungsausschlüssen der Verantwortung, oder
auch nur der Kritik, entziehen. Lassen wir mal die Neugierde
siegen und lassen wir uns also in eine
Welt führen, in der angeblich "Denken und Fühlen ganz neue
Bedeutungen haben".
Es begrüßt den Leser also eine Leitseite, weiße Schrift
(winzig kleiner Arial-Font ohne Alternative) auf schwarzem Grund,
als ob der Autor das Ableben eines guten Freundes betrauert.
Vielleicht ist es aber auch nur der Realitätssinn, der hier
abhanden gekommen ist. Über der Seite thront ein Banner mit
dem Titel der Seiten in glühender Pseudo-Fraktura, und dem
Untertitel "Zuvor waren Weres allein; doch nun haben Sie ein
Zuhause..." Eingerahmt das ganze von zwei Fotomontagen, die
wieder ein verfehlter Seitenhieb auf eine Logo-Grafik Der Lichtung zu sein scheint.
Nun sei einmal dahin gestellt, was die Verwendung von Pseudo-Fraktura
in Verbindung mit dem Begriff "Werwolf" beim Leser suggeriert. Ich
halte dies in Anbetracht der deutschen Geschichte zumindest für
ungeschickt. Allerdings möchte ich dem Autor nicht unterstellen, diese
Assoziation bewußt in Kauf zu nehmen. Einen Vorgeschmack auf das,
was den Leser erwartet, liefert aber der Untertitel. Es wird ein
Anspruch der Einmaligkeit und Neuigkeit erhoben, der schlicht
nicht existiert. Es gibt unzählige englischsprachige und einige
deutschsprachige Seiten und Foren für Leute, die sich als Werwesen
betrachten, und dies schon recht lange. Zudem sind sogenannte
Online-Communities mitnichten ein Zuhause. Verzeihung, mein Zuhause
ist immer noch meine Wohnung, im weiteren Sinne meine Familie, meine
Freunde und Kollegen.
Was es sonst noch an Informationen und Foren für unsereins gibt,
läßt sich recht leicht mit einem Webkatalog oder einer Suchmaschine
herausfinden. Zugegeben, deutschsprachige Angebote im Web sind selten.
Was aber auch daran liegt, dass wir Greymuzzles noch
nicht durch den Exhibitionismus der nachmittäglichen Chat-Shows
geprägt sind und mit unseren Identitätsfragen etwas diskreter
umgehen.
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Letzte Änderung: 2004-08-05 |
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