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Wunsch und Verlangen
Aber zurück zur Ausgangsfrage: wünsche ich mir ein Leben als
Wolf? Habe ich da nicht allzu romantische Vorstellungen?
Nein. Es ist kein Wunsch. Es ist ein Verlangen. Verlangen sitzt
tiefer, Verlangen ist nicht steuerbar. Hätte ich die
Möglichkeit, den menschlichen Körper gegen einen wölfischen
einzutauschen, sollten auch etliche äußere Faktoren eine Rolle
spielen, die bei maximaler Freiheit ein halbwegs gesichertes
Überleben sicherstellen sollen. Ob ich die Kraft hätte, diese
Kriterien sinnvoll in meine Entscheidung einzubeziehen?
Ich befürchte, dass letztlich das
einzige Kriterium, das ich beachten würde, die Erfolgschance
der Transformation wäre. Zum Glück ist dies nur ein Gedankenspiel,
in die Situation, mich entscheiden zu müssen, werde ich nicht
kommen.
Wünsche werden dagegen anhand vieler Kriterien gebildet, oft bewusst.
Ich kann mir nicht ernsthaft wünschen, dieses menschliche
Leben, das angenehmer nicht sein könnte, einzutauschen. Mir geht
es dabei nicht nur "vergleichsweise" gut: im Vergleich zum Großteil
von fast 7 Milliarden Menschen geht es mir verdammt gut. Ein
Wunsch, etwas anderes zu sein, wäre extrem undankbar. Nein,
es ist das Verlangen, meist schwach, manchmal stärker, gelegentlich
überwältigend, nach einer anderen Existenz, nach einem Leben als
Wolf.
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Letzte Änderung: 2002-07-03 |
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