Durch die Augen eines Wolfs

Wenn ich durch die Augen eines Wolfs sehe, ob man soetwas nun als "Shift" bezeichnet oder nicht, nehme ich mich immer noch als "ich" wahr, vieles, wenn nicht alles, von meinem Charakter ist noch da. Jedoch nichts von dem, was mich als Mensch interessiert, spielt eine Rolle. Es ist eine andere Erlebniswelt, nicht mit Worten darstellbar, mit einem vollständig anderen Zeitempfinden, bestimmt von Geruchs- und Höreindrücken mit starker Konzentration auf bestimmte Eindrücke, die ich nicht beschreiben kann. Die optische Perspektive ist -- anders. Ein Großteil dieser Erfahrungen ist für menschliche Begriffe erstaunlich ereignisarm. Ich empfinde sie als normal und überhaupt nicht langweilig. Aber der wichtigste Aspekt ist: in diesen Episoden fühle ich meinen wölfischen Körper als meinen Körper. Als Mensch dagegen habe ich wenig Bezug zu meinem Körper. Das innere Bild und die Realität klaffen schlicht zu weit auseinander. kommentieren

Weiterhin fehlen mir einfach ein paar Fähigkeiten, die die meisten Menschen instinktiv beherrschen. Es ist mir zum Beispiel unmöglich, ohne Partner mit unendlich viel Geduld und Toleranz, enge Beziehungen überhaupt anzubahnen. Mein ganzes Sozialverhalten ist mühsam und langwierig gelernt, unter sehr viel größeren Mühen als bei anderen Menschen. Wenn ich extrem erschöpft bin, falle ich dann in eigenartiger Weise aus der Rolle, werde unsicher und begehe übelste Faux Pas. kommentieren

Nun haben viele Menschen Probleme mit ihrer Sozialisierung, die Situation "Tier in menschlichem Körper" ist da eher ein exotischer Grund. Aber die meisten Menschen stecken Menschen stecken es mehr oder weniger unbeschadet weg. Ich empfinde solche Zwischenfälle aber seit früher Kindheit als geradezu traumatisch. Ich wollte lange ein "richtiger" Mensch sein, die Dualität meiner Existenz auflösen noch bevor sie mir überhaupt bewusst wurde. Jedes soziale Versagen war auch ein Rückschlag für diese Bemühungen. Dies wurde erst besser, als ich aufgegeben habe, vollständig Mensch sein zu wollen. Seit ich mich als Wolfsmensch sehe, als ein Wesen mit dem Körper Menschen und der Seele eines Wolfs, das weder vollständig Mensch noch Wolf sein kann und deshalb beides irgendwie vereinen muss. kommentieren