Das vergessene Hirn

  1. Das vergessene Hirn
  2. Community
  3. Abgrenzung
  4. Ausgrenzung
  5. Kodex
  6. Extremismus
  7. Die vergessene Lichtung - eine Fallstudie
  8. Zielgruppe
  9. Distanz
  10. Was fehlt
  11. Furries
  12. Weres
  13. Newsgruppen-Probleme
  14. Die Rolle von Pinky
  15. Finale

Das vergessene Hirn

"Ich bin nicht intolerant, ich dulde nur keine andere Meinung!"
(ein Teilnehmer im #wolfsrudel)
 

Mal ernsthaft Leute.

Wenn ich mir deutschsprachige "Were"-Webseiten ansehe und entsprechende Äußerungen im Chat mitbekomme, beschleicht mich das Gefühl, dass hier etwas fundemental falsch läuft. Mein Eindruck ist, dass mit geradezu religiösem Eifer ein Kult oder eine Sekte entsteht. Es gibt dafür einige deutliche Hinweise:

  1. "Community"
  2. Abgrenzung
  3. Ausgrenzung
  4. Kodex
  5. Extremismus

Ich möchte im Folgenden diese Aspekte erklären und exemplarisch belegen. Mir geht es dabei nicht darum, jemanden in die Pfanne zu hauen, auch wenn ich mir einige Spitzen nicht verkneifen konnte. Es geht vielmehr um Entwicklungen und die Bildung von Strukturen, die ich seit längerer Zeit mit wachsender Besorgnis beobachte.

Community

Es wird suggeriert, es gäbe soetwas wie eine deutsche Community von Werwesen, eine verborgene Gemeinschaft von Weres mit einheitlichem Kodex. Eine Täuschung. Es gibt ein paar recht überschaubare Freundeskreise und viele Einzelpersonen mit Lebensentwürfen und Interessen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Es gibt noch nicht einmal eine klare Definition, was ein Werwesen sein soll. Es reicht vom Umschwung zwischen unterschiedlichen Erlebniswelten bis hin zu einer wie auch immer gearteten Verbindung zu einer Tierart. Aber einige Mitglieder dieses äusserst losen Haufens glauben, sie könnten eine allgemeingültige Definition aufstellen, was ein Were ist und was nicht. kommentieren

Abgrenzung

Man versucht, sich von größeren Gruppen, zum Beispiel der Furry Subkultur, abzugrenzen, wirft ihr pauschal Unernst und vor allem Dekadenz vor. Längst verjährte Streitereien im Usenet werden zu gottgegebenen Konflikten zwischen Weres und Furries hochstilisiert, einzelne damals im Zorn geschriebenen Argumente fragmentarisch ohne Reflektion über die Gegenargumente übernommen und als Beweis herangezogen. kommentieren

Und dabei bleibt es nicht, nein: man distanziert sich von der Menschheit als Ganzes, man zählt sich nicht mehr dazu, billigt und fordert die Vernichtung dieser angeblich schädlichen Spezies "Mensch". Natürlich sei man selbst nicht betroffen, schließlich sei man ja etwas ganz anderes, besseres. kommentieren

Ausgrenzung

Ausgegrenzt werden viele, besonders gerne natürlich Kritiker, die auf Mäßigung drängen oder zwischen den Parteien vermittelnd wirken wollen. Sie werden dann als Mode-Weres oder Mode-Furries bezeichnet, im Chat auch gerne mal als Verräter an der heiligen Sache. Wessen Erfahrungen und Überzeugungen nicht in das Weltbild des jeweiligen Autors passen, der ist in seinen Augen wahlweise Simulant (Stichwort Shifter's Disease), Rollenspieler, Subversives Element, Spinner oder alles zusammen. kommentieren

Kodex

Es wird wahllos und oft ohne jede Quellenangabe, aber immer aus dem Kontext gerissen, von irgendwelchen Seiten im Internet zitiert, besonders beliebt sind 13 Formen der Verwandlung, die Pinky unter http://www.therianthropy.org/so/shifting/typesofshifts.asp auflistet. Ich kenne Leute, die diese unsägliche Liste im Schlaf aufzählen können. Reality-Check: es gibt nur zwei Formen der Verwandlung; die unerreichbare, unmögliche physische Verwandlung, und die in der eigenen Vorstellung stattfindende. Alles andere ist Esoterik. kommentieren

o'wolf schreibt:

Wobei Esoterik per se nicht schlecht ist, jeder Glauben ist esoterisch. Esoterisch ist das, was diesem Glauben innewohnt, spezifisch für ihn ist und ihn von anderem Glauben abgrenzt. Der Begriff "Glaubenssache" wäre sicher besser verständlich, aber mir kommt es hier auf den Abgrenzungsgedanken und der Konotation des "Geheimwissens", mit der die Aufzähler solcher Definitionsliste arbeiten. Ich sehe schlicht nicht die Notwendigkeit solcher Listen: es ist für jeden, der Erfahrungen mit "Shifts" hat, anders. Die Interpretation hängt dabei fast ausschließlich vom eigenen Glaubenssystem ab. Wozu dann Begriffe erfinden, die diese sehr individuellen Erfahrungen in Schubladen stecken? kommentieren

Als jemand, der in langen Diskussionen mit Pinky an der Entschärfung der Liste mitgearbeitet hat: diese Liste wurde und wird von vielen von uns, dessen Fell nunmehr schon etwas grau um die Schnauze wird, als sehr problematisch gesehen. Und hier passiert nun genau das, was ich von Anfang an befürchtet hatte: eine unkritische Übernahme. Die Liste ist übrigens von Pinkies aktuellen Seiten nicht mehr gelinkt. Sehr empfehlenswert ist die Lektüre ihrer Ansichten unter http://www.drakkolupen.com/rants.asp über "Know-it-all Newbies" und "Alpha Wolf Syndrome". kommentieren

Natürlich ist dies nicht die einzige Quelle. Gerne werden auch Ausschnitte aus Lion Templins Essay-Sammlung verwendet. Ebenso natürlich hat sie aber auch keiner verstanden, zumal ein Großteil pseudo- intellektuelles Gewäsch ist, durch das sich zu wühlen eine Qual ist. Wer aber dennoch meint, sich bei diesem Autor bedienen zu müssen, sollte zumindest seinen Aufsatz "Three Lies of Therianthropy" lesen. kommentieren

Die nächste Quelle, die man immer wieder erkennt, ist die alt.horror.werewolves FAQ. Den Versuch einer halbwegs getreuen Übersetzung zumindest der Core-FAQ befindet sich auf diesem Server... Auch dieser Text wird gerne sehr selektiv zitiert. kommentieren

Aber wo mir der Hut hoch geht: In fast allen Original-Publikationen zum Thema steht dick und fett, dass individuelle Ansichten und Erfahrungen beschrieben werden und in keiner Weise Allgemeingültigkeit behauptet wird. Im Gegenteil: der Leser wird oft explizit aufgefordert, seinen eigenen Weg zu suchen. Dabei geht es eben nicht darum, dass die Autoren sich vor der Verantwortung für seine Veröffentlichen drücken wollen, wie man es so oft auf deutschen Seiten sieht. Ganz im Gegenteil: es ist die Aufforderung, sich kritisch mit dem Text auseinander zu setzen. kommentieren

Richtig eigenartig wird es dann, wenn ich Teile meiner Äußerungen in irgendwelchen Newsgruppen-Beiträgen völlig aus dem Zusammenhang gerissen irgendwo wiederfinde. Es ehrt mich einerseits ja, aber... ehrlich gesagt ehrt es mich mehr, wenn sich meine Leser mit meinen Gedanken auseinander setzen anstatt sie einfach nur nachzuplappern. kommentieren

Zusammengefasst: Es wird ein Weltbild aus Textfragmenten zusammengebastelt. Der Rückgriff auf diese angeblichen Grundlagen, die doch nie mehr sein sollten als Diskussions-Anstoß für die eigene Identitätsfindung, suggeriert eine Tradition. Diese Tradition existiert aber nicht; das entstehende Weltbild ist nicht nur schief, sondern in der Form auch völlig fiktiv. Alles, was man zu seiner Bildung tun musste, war zu konsumieren. Und damit ist es keinen Deut besser als ein Weltbild, das durch nachmittägliche Talkshows im Fernsehen geprägt wird. kommentieren

Extremismus

Es wird Toleranz von anderen gefordert, diese haben schließlich das eigene Weltbild zu akzeptieren, so schräg es auch sei. Aber umgekehrt wird das Weltbild Andersdenkender, so sehr diese sich auch um Toleranz bemühen, in Grund und Boden verdammt. Wo ist da der Unterschied zum religiösem Fanatismus? kommentieren

Dies alles für sich genommen ist sicherlich, naja, seltsam. Aber zusammengefasst ergibt sich ein erschreckendes Bild. Bildung einer Gruppe, Abgrenzung, Ausgrenzung, geschicktes Zusammenkopieren eines Kodex und fundamentalistische Vertretung dieses erfundenen Weltbildes -- alles Methoden, um eine Sekte zu gründen. Die halbherzige Beteuerung, genau dieses garnicht zu wollen, passt genau in dieses Bild: schließlich glaubt keiner, der sich im Besitz der Wahrheit wähnt, er sei ein Sektierer. Nein, er sieht sich selbstverständlich als Aufklärer der verblendeten Masse. kommentieren

Die vergessene Lichtung - eine Fallstudie

Belege? Gerne. Ich nehme mir einmal exemplarisch die Webseiten der "vergessenen Lichtung" vor. kommentieren

o'wolf schreibt:

Inzwischen hat Steven (cyberwolf) die Seiten Der Vergessenen Lichtung umgestaltet und somit mein schönes warnendes Beispiel leider entschärft. Die Attitüde, die aus der alten Gestaltung sprach, ist aber natürlich weiterhin unter deutschsprachigen Weres recht stark verbreitet. Es ging und geht mir wie in der Einleitung beschrieben auch nicht darum, Steven in die Pfanne zu hauen. Er hatte einfach nur ein kompaktes und anschauliches Beispiel für die Einstellung einiger (inzwischen immerhin leiser gewordenen) Weres geliefert. Hinter vorgehaltener Hand hört man die hier kritisierten Ansichten allerdings immer noch. Und auch die alte "DvL.de FAQ" ist nur wenig geändert worden. kommentieren

Aus diesem Grund bleiben die Texte hier in leicht angepasster Form bestehen und es wird, damit diese verständlich bleiben, auf einige Screenshots der alten Seiten gelinkt. kommentieren

Ich will mich nicht lange mit den formalen Dingen aufhalten, aber ohne eine Kritik der Präsentation komme ich hier nicht aus. Die Vergessene Lichtung, der Titel alleine ist schon der alberne Versuch einer Provokation gegen Die Lichtung. Nach einem überflüssigen Splash-Screen wurde der Besucher auf eine Seite voller Paragraphen mit Nutzungsbedingungen geleitet -- ich habe mir die Freiheit genommen, diese zu parodieren. Dies allein sollte eigentlich schon jeden potenziellen Leser abschrecken. Und zwar alleine durch ihre Albernheit. Sorry, wer etwas ins Web stellt, ist auch dafür verantwortlich und kann sich nicht mit Einschüchterungen und Haftungsausschlüssen der Verantwortung, oder auch nur der Kritik, entziehen. Lassen wir mal die Neugierde siegen und lassen wir uns also in eine Welt führen, in der angeblich "Denken und Fühlen ganz neue Bedeutungen haben". kommentieren

Es begrüßt den Leser also eine Leitseite, weiße Schrift (winzig kleiner Arial-Font ohne Alternative) auf schwarzem Grund, als ob der Autor das Ableben eines guten Freundes betrauert. Vielleicht ist es aber auch nur der Realitätssinn, der hier abhanden gekommen ist. Über der Seite thront ein Banner mit dem Titel der Seiten in glühender Pseudo-Fraktura, und dem Untertitel "Zuvor waren Weres allein; doch nun haben Sie ein Zuhause..." Eingerahmt das ganze von zwei Fotomontagen, die wieder ein verfehlter Seitenhieb auf eine Logo-Grafik Der Lichtung zu sein scheint. kommentieren

Nun sei einmal dahin gestellt, was die Verwendung von Pseudo-Fraktura in Verbindung mit dem Begriff "Werwolf" beim Leser suggeriert. Ich halte dies in Anbetracht der deutschen Geschichte zumindest für ungeschickt. Allerdings möchte ich dem Autor nicht unterstellen, diese Assoziation bewußt in Kauf zu nehmen. Einen Vorgeschmack auf das, was den Leser erwartet, liefert aber der Untertitel. Es wird ein Anspruch der Einmaligkeit und Neuigkeit erhoben, der schlicht nicht existiert. Es gibt unzählige englischsprachige und einige deutschsprachige Seiten und Foren für Leute, die sich als Werwesen betrachten, und dies schon recht lange. Zudem sind sogenannte Online-Communities mitnichten ein Zuhause. Verzeihung, mein Zuhause ist immer noch meine Wohnung, im weiteren Sinne meine Familie, meine Freunde und Kollegen. kommentieren

Was es sonst noch an Informationen und Foren für unsereins gibt, läßt sich recht leicht mit einem Webkatalog oder einer Suchmaschine herausfinden. Zugegeben, deutschsprachige Angebote im Web sind selten. Was aber auch daran liegt, dass wir Greymuzzles noch nicht durch den Exhibitionismus der nachmittäglichen Chat-Shows geprägt sind und mit unseren Identitätsfragen etwas diskreter umgehen. kommentieren

Zielgruppe

Kommen wir nun, sozusagen, zu des Pudels Kern. Worum geht es dem Autoren eigentlich? Vordergründig möchte er einen Treffpunkt für Weres zur Verfügung stellen. Dies ist durchaus lobenswert. Aber mitnichten für alle, nein, nur für diejenigen, die seiner eigenen Definition eines Werwesens entsprechen und seine Meinungen teilen. Frei von "dem ganzen dummen Gerede an anderen Orten aus der Welt der Furries und Weres". Für dummes Gerede hält er im Speziellen das über Sex und im allgemeinen alles, was seiner eigenen Meinung entgegen steht. kommentieren

Ich frage mich nur, wer dumm redet, wenn jemand allen Ernstes in einem Chat-Kanal behauptet, der Mensch sei keine Spezies sondern eine Geisteshaltung und das Leben von Menschen als wertlos betrachtet -- sich selbst als angeblicher Wolf (oder anderes Tier) dabei aber selbstverständlich herausnimmt. Wer so redet übersieht dabei, dass er sich wie wir alle in einem menschlichen Körper befindet und sich auch wie ein Mensch verhält. Egal, als was er sich selbst sieht. kommentieren

In der Tat ist die Hybris, die aus den Äußerungen von Menschen mit einer solchen Aufassung spricht, so typisch menschlich, dass ich mich frage ob sie überhaupt fundierte Kenntnisse über das Verhalten der jeweiligen Tiere haben oder nicht vielmehr märchenhaften Klischees nachhängen. Ihr Verhalten gleicht dabei meist allenfalls dem eines halbstarken Omega-Wolfsrüden, und auch das nur mit viel Fantasie. kommentieren

Distanz

Aber ich schweife ab. Das eigentliche Ziel der Seiten ist die Distanzierung zu Furries und eine Unabhängigkeit von "ihren" Resourcen. Nun frage ich mich zunächst, wo es eine Abhängigkeit geben soll. Die immerhin ehrenamtlich und kostenlos zur Verfügung gestellten Dienste werden auch nicht von "den" Furries betreut sondern von einigen wenigen ambitionierten Technikern, die diese Dienste seit vielen Jahren zur Verfügung stellen und aus eigener Tasche bezahlen. Gegen zusätzliche Angebote ist selbstverständlich nichts einzuwenden. Es gibt aber schlicht keine Abhängigkeit: schon mit geringem finanziellem Einsatz kann heute jeder Depp seine Seiten ins Netz stellen, inklusive Gästebücher und Diskussionsforen. Das eigentliche Problem ist eher, die Akzeptanz für das eigene Angebot zu finden. Wenn die sich dann nicht einstellt, kann ich mir schon denken wer dran schuld sein soll: natürlich die anderen, die den ach so sicher geglaubten Erfolg ständig torpedierten... kommentieren

Wirklich bedenklich ist aber die Forderung nach Distanz. In der "DvL.de FAQ" wird von "Mode-Furries" und "Mode-Weres" geschwafelt, mit denen man nicht in einen Topf geschmissen werden will. Angeblich sind fast alle Furries sowieso nur auf Yiff aus oder würden nur über ihre Probleme jammern, dies alles würde Neulinge verschrecken und immer mehr interessante Leute vergraulen. Willkommen seien nur Furries, die sich von diesen "Durschnitt-Furries" abheben. Um jegliche Kritik an diesem Gewäsch abprallen zu lassen, richtet sich das natürlich nicht gegen Furries an sich und als Elite will man sich auch nicht hervortun. kommentieren

Was fehlt

Was er uns schuldig bleibt, sind einerseits Belege für seine Aussagen. Natürlich ist Chat Schwätzerei und nur selten werden dort ernsthafte Diskussionen geführt. Die meisten Leute möchten sich dort eben locker unterhalten. Dies liegt in der Natur des Mediums. Die FurNet-Kanäle #pantherchat und #wolfsrudel sind im Vergleich zu dem, was in anderen Netzen läuft, auch noch recht zivilisiert. Die Beobachtung, dass Neulinge abgeschreckt werden und die interessanten Leute sich entsetzt abwenden, kann ich nicht nachvollziehen. kommentieren

Was er uns weiter schuldig bleibt, ist nach einer langen Liste von dem, was er nicht will, eine deutliche Darstellung dessen, was nun wirklich möchte. Er bietet eine technische Alternative zu bestehenden Angeboten, aber keine inhaltliche. Stattdessen steigert sich der Autor in die Verschwörungstheorie, "Mode-Furries" und "Mode-Weres" würden "seine" Kanäle unterwandern. Er übersieht dabei, dass es keine Besitzer von IRC-Kanälen gibt. Wenn überhaupt jemand eingedrungen ist, dann ist es er; zumindest im Falle von #wolfsrudel, der Kanal existierte nämlich vorher schon. Ebenso ist jedes Forum gestaltet durch seine Teilnehmer, es gibt keine Besitzstände. Weiterhin würde mich interessieren, wo bitte er Zensur gesehen haben möchte. Mir ist kein einziger Fall bekannt. Sollte er Banns im IRC meinen: das ist keine Zensur, und in den Fällen, in denen ich mitbekommen habe, dass er von einem Bann betroffen war, war dies durch sein soziopathisches Verhalten auch voll und ganz gerechtfertigt. kommentieren

o'wolf schreibt:

Eine andere Erklärung für den Zensur-Vorwurf wäre, dass einige Beiträge von Steven im Forum der Lichtung vom Moderator entfernt wurden. In wieweit dieses berechtigt war möchte ich hier nicht beurteilen. kommentieren lesen

WereBones schreibt:

Was das Löschen, Kürzen oder Überarbeiten der Beiträge auf der Lichtung betrifft: Der Admin hat eingegriffen, weil es nur noch Beleidigungen und persönliche Angriffe gab, die IMHO da nicht hingehören. Das kann natürlich jeder anders sehen. kommentieren

Furries

Nun, warum ist dies überhaupt wert, in irgendeiner Art und Weise beachtet zu werden? Hier wird, wiedereinmal, ein Konflikt zwischen "Furries" und "Weres" konstruiert, der schlicht nicht existiert. Er existiert zum einen deshalb schon garnicht, weil es keine "Were-Community" gibt. Dagegen kann man die Furry-Community durchaus schon als Subkultur bezeichnen. Spätestens seit der Gründung der Newsgruppe alt.lifestyle.furry sind wir, die wir uns (in welcher Definition auch immer) als Werwesen betrachten, im Furridom integriert. In gewisser Weise haben sich beide Gruppen im (überwiegend) amerikanischen Bereich der Usenet Newsgruppen eine kurze Zeit parallel entwickelt. kommentieren

Ein erkennbares Furry-Fandom gibt es seit mitte der 80er Jahre, entstanden auf Science Fiction Conventions in den USA und gegründet von Rollenspiel- und Comicfans wie auch von Autoren. Erst mit der ersten echten Furry Convention wuchs das Furry Fandom über den engen Freundeskreis von Hobby-Künstlern hinaus und fing schon dort an, weitere Gruppierungen wie zum Beispiel Fursuit- und Maskottchen-Gestalter aufzunehmen. Auch wurde sehr früh der Grundstein zu den Ausprägungen gelegt, die wir oft als Furry Lifestyle bezeichnet werden. Der Begriff Lifestyle ist hier übrigens sehr breit zu sehen und der Versuch einer Erklärung würde den Rahmen dieses Textes sprengen. Mit der Verbreitung des Internets in den USA Ende der 80er Jahre kam das Online-Rollenspiel, hauptsächlich das Furry MUCK, auf. Aus diesen Kreisen wurde 1991 die Newsgruppe alt.fan.furry gegründet, die schon kurze Zeit später neben Rollenspielern eigentlich allen Untergruppen des Furry Fandoms als Diskussionsforum diente. kommentieren

Weres

Im Jahr 1992 wurde die Newsgruppe alt.horror.werewolves im Rahmen der Einrichtung der alt.horror.*-Hierarchie gegründet. Inhalt zunächst die Diskussion über Horror-Literatur und -Filme. Nun gibt es nicht allzuviele Bücher und Filme über und mit Werwölfen, so dass nach einiger Zeit die Frage aufkam, warum sich die Leser der Gruppe überhaupt für dieses Thema interessieren. Es stellte sich heraus, dass sich nicht wenige Teilnehmer selbst als Werwölfe oder Wölfe sehen -- oder vielleicht auch nur ein solches Wesen sein wollten. Es kamen Teilnehmer hinzu, die eine spirituelle Verbindung zu Wölfen hatten. Und es beschränkte sich bald nicht mehr auf Wölfe, andere Spezies kamen hinzu. Auch begannen einige Teilnehmer zu zeichnen, es kamen Teilnehmer aus der Furry-MUCK Ecke hinzu, für die ihre Rollenspiel-Charaktere mehr als nur Spielfiguren waren, oft ein Spiegel ihrer eigenen Persönlichkeit. kommentieren

Newsgruppen-Probleme

Dadurch schwappte das Gespräch darüber, wie sehr die eigene Rollenspiel-Figur die eigene Persönlichkeit reflektiert, auch nach alt.fan.furry über. Einige der Teilnehmer dort sahen die bloße Diskussion angeblich als große Gefahr für das Furry Fandom -- die tatsächlichen Gründe hatten aber mehr mit persönlichen Antipathien der Gegner der Diskussion gegenüber dem Fandom als solches oder einige ihrer Teilnehmer. kommentieren

Auch auf alt.horror.werewolves gab es Probleme. Die Gruppe erfreute sich ungemeiner Zuwächse an Teilnehmern, von anfangs nicht mehr als 20 Artikeln pro Woche wuchs das Aufkommen auf über 300 Artikel pro Tag. Durch das unglaubliche Wachstum des Internets in den 90ern Jahren bewegte sich das Usenet auch aus seinem ursprünglich akademisch geprägtem Umfeld. Die Probleme mit Teilnehmern, die die Newsgruppe als Rollenspielplatz betrachteten möchte ich hier nicht betrachten. Es kamen auch Teilnehmer hinzu, die allen Ernstes die Vernichtung der Menschheit forderten -- sich selbst natürlich ausgenommen, denn sie seien schließlich Werwölfe und keine Menschen. kommentieren

Die Flamewars schwappten natürlich auch auf alt.fan.furry, was das Ansehen von Werwesen dort natürlich nicht gerade steigerte. Zudem wurden auch mehr Leute mit Sonderinteressen im Furry Fandom sichtbar (gegeben hat es sie von Anfang an). Menschen, für die Plüschtiere ein Fetisch sind, Zoophile und noch immer mehr Leute mit einer wie auch immer gearteten spirituellen Verbindung zu Tieren. Es war noch nicht einmal eine sachliche Diskussion über diese Themen möglich, sie wurde sofort durch fanatische "Saubermänner" in der Gruppe niedergerschrien. Dies führte schließlich 1996 zur Gründung der Newsgruppe alt.lifestyle.furry. kommentieren

Die Rolle von Pinky

In diesem aufgeheizten Umfeld tauchte eine junge Künstlerin mit Namen Pinky auf. Ms. Pinkelton stellte sich auf alt.horror.werewolves als Wölfin vor und zeichnet Tiermenschen. Das Furry Fandom hatte sie auch schon gefunden, ihre Zeichnungen stellte sie dort ebenfalls vor. Sie beteiligte sich auch an den Diskussionen auf alt.fan.furry, nahm diese aber leider zu ernst und formulierte unter dem Eindruck der Diskussion die These, dass Weres und Furries nichts miteinander zu tun hätten. Diese verteidigte sie recht massiv, obwohl sie schon zu der Zeit unter anderem Namen ihre Zeichnungen auch im Furridom veröffentlichte. Später relativierte sie ihre Einschätzung allerdings. Die Legende, dass Furries und Weres Welten trennen, hat sich aber leider bis heute gehalten, wird immer wieder unkritisch übernommen oder zur Begründung zweifelhafter Einstellungen herangezogen. kommentieren

Finale

Letztlich ist aber alles nichts weiter als die Folge eines Kränkung einer einzelnen Künstlerin, ausgelöst durch Diskussionen in einem kleinen Teils des Internets, der das Furridom nicht repräsentiert und der die einzige Heimat einer kleinen Gruppe von Werwesen war. Diejenigen, die sich damals in alt.horror.werewolves zuerst als Werwölfe bezeichneten, sind heute (mit nur wenigen Ausnahmen) im Furridom zu finden. Man kann sie auf Furry Conventions treffen oder von ihnen in alt.lifestyle.furry lesen. Die einzigen Konflikte sind privater Natur. Und ich hoffe, dass sie sich in Zukunft darauf beschränken, ohne alte Geschichten immer wieder aufzuwärmen. kommentieren

Aber glaubt nicht, es gäbe niemanden mehr, der sich an die "alten Zeiten" erinnern könne. kommentieren

o'wolf schreibt:

Nun, dieser Text ist natürlich nicht unbemerkt geblieben, um so mehr freut es mich, wenn sich Leser damit auseinander setzen. Leider hat sich bislang kaum einer getraut, ihn hier direkt zu kommentieren. Einige Reaktionen gibt es im Lykanthrop.de-Thread im Forum der Vergessenen Lichtung (keine Garantie, dass der Thread dort erhalten bleibt). kommentieren