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Das vergessene Hirn
Das vergessene Hirn
"Ich bin nicht intolerant, ich dulde nur keine andere Meinung!"
(ein Teilnehmer im #wolfsrudel) Mal ernsthaft Leute. Wenn ich mir deutschsprachige "Were"-Webseiten ansehe und entsprechende Äußerungen im Chat mitbekomme, beschleicht mich das Gefühl, dass hier etwas fundemental falsch läuft. Mein Eindruck ist, dass mit geradezu religiösem Eifer ein Kult oder eine Sekte entsteht. Es gibt dafür einige deutliche Hinweise:
Ich möchte im Folgenden diese Aspekte erklären und exemplarisch belegen. Mir geht es dabei nicht darum, jemanden in die Pfanne zu hauen, auch wenn ich mir einige Spitzen nicht verkneifen konnte. Es geht vielmehr um Entwicklungen und die Bildung von Strukturen, die ich seit längerer Zeit mit wachsender Besorgnis beobachte. Community
Es wird suggeriert, es gäbe soetwas wie eine deutsche Community
von Werwesen, eine verborgene Gemeinschaft von Weres
mit einheitlichem Kodex. Eine Täuschung. Es gibt ein paar recht
überschaubare Freundeskreise und viele Einzelpersonen mit
Lebensentwürfen und Interessen, die unterschiedlicher nicht
sein könnten. Es gibt noch nicht einmal eine klare Definition,
was ein Werwesen sein soll. Es reicht vom Umschwung zwischen
unterschiedlichen Erlebniswelten bis hin zu einer wie auch immer
gearteten Verbindung zu einer Tierart. Aber einige Mitglieder dieses
äusserst losen Haufens glauben, sie könnten eine allgemeingültige
Definition aufstellen, was ein Were ist und was nicht.
Abgrenzung
Man versucht, sich von größeren Gruppen, zum Beispiel der
Furry Subkultur, abzugrenzen, wirft ihr pauschal Unernst und vor
allem Dekadenz vor. Längst verjährte Streitereien im Usenet
werden zu gottgegebenen Konflikten zwischen Weres und
Furries hochstilisiert, einzelne damals im Zorn geschriebenen
Argumente fragmentarisch ohne Reflektion über die Gegenargumente übernommen
und als Beweis herangezogen.
Und dabei bleibt es nicht, nein: man distanziert sich von der
Menschheit als Ganzes, man zählt sich nicht mehr dazu, billigt
und fordert die Vernichtung dieser angeblich schädlichen Spezies
"Mensch". Natürlich sei man selbst nicht betroffen, schließlich
sei man ja etwas ganz anderes, besseres.
Ausgrenzung
Ausgegrenzt werden viele, besonders gerne natürlich Kritiker, die
auf Mäßigung drängen oder zwischen den Parteien vermittelnd
wirken wollen. Sie werden dann als Mode-Weres
oder Mode-Furries bezeichnet, im Chat auch
gerne mal als Verräter an der heiligen Sache. Wessen Erfahrungen und
Überzeugungen nicht in das Weltbild des jeweiligen Autors passen, der ist in
seinen Augen wahlweise Simulant (Stichwort Shifter's Disease),
Rollenspieler, Subversives Element, Spinner oder alles zusammen.
Kodex
Es wird wahllos und oft ohne jede Quellenangabe, aber immer aus
dem Kontext gerissen, von irgendwelchen Seiten im Internet zitiert,
besonders beliebt sind 13 Formen der Verwandlung, die Pinky unter
http://www.therianthropy.org/so/shifting/typesofshifts.asp auflistet. Ich kenne
Leute, die diese unsägliche Liste im Schlaf aufzählen können.
Reality-Check: es gibt nur zwei Formen der Verwandlung; die
unerreichbare, unmögliche physische Verwandlung, und die in
der eigenen Vorstellung stattfindende. Alles andere ist
Esoterik.
Als jemand, der in langen Diskussionen mit Pinky an der
Entschärfung der Liste mitgearbeitet hat: diese Liste wurde und
wird von vielen von uns, dessen Fell nunmehr schon etwas grau um die
Schnauze wird, als sehr problematisch gesehen. Und hier passiert
nun genau das, was ich von Anfang an befürchtet hatte: eine unkritische
Übernahme. Die Liste ist übrigens von Pinkies aktuellen Seiten nicht
mehr gelinkt. Sehr empfehlenswert ist die Lektüre ihrer Ansichten
unter http://www.drakkolupen.com/rants.asp über "Know-it-all Newbies"
und "Alpha Wolf Syndrome".
Natürlich ist dies nicht die einzige Quelle. Gerne werden auch
Ausschnitte aus Lion Templins Essay-Sammlung verwendet. Ebenso
natürlich hat sie aber auch keiner verstanden, zumal ein Großteil pseudo-
intellektuelles Gewäsch ist, durch das sich zu wühlen eine Qual ist. Wer aber
dennoch meint, sich bei diesem Autor bedienen zu müssen, sollte zumindest
seinen Aufsatz "Three Lies of Therianthropy" lesen.
Die nächste Quelle, die man immer wieder erkennt, ist die
alt.horror.werewolves FAQ. Den Versuch einer halbwegs getreuen
Übersetzung zumindest der Core-FAQ befindet sich auf
diesem Server... Auch dieser Text wird gerne sehr selektiv zitiert.
Aber wo mir der Hut hoch geht: In fast allen Original-Publikationen
zum Thema steht dick und fett, dass individuelle Ansichten und
Erfahrungen beschrieben werden und in keiner Weise Allgemeingültigkeit
behauptet wird. Im Gegenteil: der Leser wird oft explizit aufgefordert,
seinen eigenen Weg zu suchen. Dabei geht es eben nicht darum, dass
die Autoren sich vor der Verantwortung für seine Veröffentlichen drücken
wollen, wie man es so oft auf deutschen Seiten sieht. Ganz im Gegenteil:
es ist die Aufforderung, sich kritisch mit dem Text auseinander
zu setzen.
Richtig eigenartig wird es dann, wenn ich Teile meiner Äußerungen in
irgendwelchen Newsgruppen-Beiträgen völlig aus dem Zusammenhang
gerissen irgendwo wiederfinde. Es ehrt mich einerseits ja, aber...
ehrlich gesagt ehrt es mich mehr, wenn sich meine Leser mit meinen
Gedanken auseinander setzen anstatt sie einfach nur nachzuplappern.
Zusammengefasst: Es wird ein Weltbild aus Textfragmenten zusammengebastelt.
Der Rückgriff auf diese angeblichen Grundlagen, die doch nie mehr sein
sollten als Diskussions-Anstoß für die eigene Identitätsfindung, suggeriert
eine Tradition. Diese Tradition existiert aber nicht; das entstehende
Weltbild ist nicht nur schief, sondern in der Form auch völlig fiktiv.
Alles, was man zu seiner Bildung tun musste, war zu konsumieren. Und
damit ist es keinen Deut besser als ein Weltbild, das durch
nachmittägliche Talkshows im Fernsehen geprägt wird.
Extremismus
Es wird Toleranz von anderen gefordert, diese haben schließlich das
eigene Weltbild zu akzeptieren, so schräg es auch sei. Aber umgekehrt
wird das Weltbild Andersdenkender, so sehr diese sich auch um Toleranz
bemühen, in Grund und Boden verdammt. Wo ist da der Unterschied zum
religiösem Fanatismus?
Dies alles für sich genommen ist sicherlich, naja, seltsam. Aber
zusammengefasst ergibt sich ein erschreckendes Bild. Bildung
einer Gruppe, Abgrenzung, Ausgrenzung, geschicktes Zusammenkopieren
eines Kodex und fundamentalistische Vertretung dieses erfundenen
Weltbildes -- alles Methoden, um eine Sekte zu gründen. Die halbherzige
Beteuerung, genau dieses garnicht zu wollen, passt genau in
dieses Bild: schließlich glaubt keiner, der sich im Besitz der
Wahrheit wähnt, er sei ein Sektierer. Nein, er sieht sich selbstverständlich
als Aufklärer der verblendeten Masse.
Die vergessene Lichtung - eine Fallstudie
Belege? Gerne. Ich nehme mir einmal exemplarisch die Webseiten
der "vergessenen Lichtung" vor.
Ich will mich nicht lange mit den formalen Dingen aufhalten,
aber ohne eine Kritik der Präsentation komme ich hier nicht aus.
Die Vergessene Lichtung, der Titel alleine ist schon der alberne
Versuch einer Provokation gegen Die Lichtung.
Nach einem überflüssigen Splash-Screen wurde der Besucher auf eine Seite
voller Paragraphen
mit Nutzungsbedingungen geleitet -- ich habe mir die Freiheit genommen,
diese zu parodieren. Dies allein
sollte eigentlich schon jeden potenziellen Leser abschrecken. Und
zwar alleine durch ihre Albernheit. Sorry, wer etwas ins Web
stellt, ist auch dafür verantwortlich und kann sich nicht mit
Einschüchterungen und Haftungsausschlüssen der Verantwortung, oder
auch nur der Kritik, entziehen. Lassen wir mal die Neugierde
siegen und lassen wir uns also in eine
Welt führen, in der angeblich "Denken und Fühlen ganz neue
Bedeutungen haben".
Es begrüßt den Leser also eine Leitseite, weiße Schrift
(winzig kleiner Arial-Font ohne Alternative) auf schwarzem Grund,
als ob der Autor das Ableben eines guten Freundes betrauert.
Vielleicht ist es aber auch nur der Realitätssinn, der hier
abhanden gekommen ist. Über der Seite thront ein Banner mit
dem Titel der Seiten in glühender Pseudo-Fraktura, und dem
Untertitel "Zuvor waren Weres allein; doch nun haben Sie ein
Zuhause..." Eingerahmt das ganze von zwei Fotomontagen, die
wieder ein verfehlter Seitenhieb auf eine Logo-Grafik Der Lichtung zu sein scheint.
Nun sei einmal dahin gestellt, was die Verwendung von Pseudo-Fraktura
in Verbindung mit dem Begriff "Werwolf" beim Leser suggeriert. Ich
halte dies in Anbetracht der deutschen Geschichte zumindest für
ungeschickt. Allerdings möchte ich dem Autor nicht unterstellen, diese
Assoziation bewußt in Kauf zu nehmen. Einen Vorgeschmack auf das,
was den Leser erwartet, liefert aber der Untertitel. Es wird ein
Anspruch der Einmaligkeit und Neuigkeit erhoben, der schlicht
nicht existiert. Es gibt unzählige englischsprachige und einige
deutschsprachige Seiten und Foren für Leute, die sich als Werwesen
betrachten, und dies schon recht lange. Zudem sind sogenannte
Online-Communities mitnichten ein Zuhause. Verzeihung, mein Zuhause
ist immer noch meine Wohnung, im weiteren Sinne meine Familie, meine
Freunde und Kollegen.
Was es sonst noch an Informationen und Foren für unsereins gibt,
läßt sich recht leicht mit einem Webkatalog oder einer Suchmaschine
herausfinden. Zugegeben, deutschsprachige Angebote im Web sind selten.
Was aber auch daran liegt, dass wir Greymuzzles noch
nicht durch den Exhibitionismus der nachmittäglichen Chat-Shows
geprägt sind und mit unseren Identitätsfragen etwas diskreter
umgehen.
Zielgruppe
Kommen wir nun, sozusagen, zu des Pudels Kern. Worum geht es dem Autoren
eigentlich? Vordergründig möchte er einen Treffpunkt für
Weres zur Verfügung stellen. Dies ist durchaus lobenswert.
Aber mitnichten für alle, nein, nur für diejenigen, die seiner eigenen
Definition eines Werwesens entsprechen und seine Meinungen
teilen. Frei von "dem ganzen dummen Gerede an anderen Orten aus der Welt
der Furries und Weres". Für dummes Gerede hält
er im Speziellen das über Sex und im allgemeinen alles, was seiner
eigenen Meinung entgegen steht.
Ich frage mich nur, wer dumm redet, wenn jemand allen Ernstes in
einem Chat-Kanal behauptet, der Mensch sei keine Spezies sondern eine
Geisteshaltung und das Leben von Menschen als wertlos betrachtet -- sich
selbst als angeblicher Wolf (oder anderes Tier) dabei aber
selbstverständlich herausnimmt. Wer so redet übersieht dabei, dass er
sich wie wir alle in einem menschlichen Körper befindet und sich auch
wie ein Mensch verhält. Egal, als was er sich selbst sieht.
In der Tat ist die Hybris, die aus den Äußerungen von
Menschen mit einer solchen Aufassung spricht, so typisch menschlich,
dass ich mich frage ob sie überhaupt fundierte Kenntnisse über das
Verhalten der jeweiligen Tiere haben oder nicht vielmehr märchenhaften
Klischees nachhängen. Ihr Verhalten gleicht dabei meist allenfalls dem
eines halbstarken Omega-Wolfsrüden, und auch das nur mit viel
Fantasie.
Distanz
Aber ich schweife ab. Das eigentliche Ziel der Seiten ist die
Distanzierung zu Furries und eine Unabhängigkeit von "ihren" Resourcen.
Nun frage ich mich zunächst, wo es eine Abhängigkeit geben soll. Die
immerhin ehrenamtlich und kostenlos zur Verfügung gestellten Dienste
werden auch nicht von "den" Furries betreut sondern von einigen
wenigen ambitionierten Technikern, die diese Dienste seit vielen
Jahren zur Verfügung stellen und aus eigener Tasche bezahlen. Gegen
zusätzliche Angebote ist selbstverständlich nichts einzuwenden.
Es gibt aber schlicht keine Abhängigkeit: schon mit geringem finanziellem
Einsatz kann heute jeder Depp seine Seiten ins Netz stellen, inklusive
Gästebücher und Diskussionsforen. Das eigentliche Problem ist eher,
die Akzeptanz für das eigene Angebot zu finden. Wenn die sich dann
nicht einstellt, kann ich mir schon denken wer dran schuld sein
soll: natürlich die anderen, die den ach so sicher geglaubten Erfolg
ständig torpedierten...
Wirklich bedenklich ist aber die Forderung nach Distanz. In der
"DvL.de FAQ" wird von
"Mode-Furries" und
"Mode-Weres" geschwafelt, mit denen man nicht
in einen Topf geschmissen werden will. Angeblich sind fast alle
Furries sowieso nur auf Yiff aus oder würden
nur über ihre Probleme jammern, dies alles würde Neulinge verschrecken
und immer mehr interessante Leute vergraulen. Willkommen seien nur
Furries, die sich von diesen
"Durschnitt-Furries" abheben. Um jegliche Kritik
an diesem Gewäsch abprallen zu lassen, richtet sich das natürlich nicht
gegen Furries an sich und als Elite will man sich auch
nicht hervortun.
Was fehlt
Was er uns schuldig bleibt, sind einerseits Belege für seine
Aussagen. Natürlich ist Chat Schwätzerei und nur selten
werden dort ernsthafte Diskussionen geführt. Die meisten
Leute möchten sich dort eben locker unterhalten. Dies liegt in der
Natur des Mediums. Die FurNet-Kanäle
#pantherchat und #wolfsrudel sind im Vergleich zu dem, was in
anderen Netzen läuft, auch noch recht zivilisiert. Die Beobachtung, dass
Neulinge abgeschreckt werden und die interessanten Leute sich entsetzt
abwenden, kann ich nicht nachvollziehen.
Was er uns weiter schuldig bleibt, ist nach einer langen Liste
von dem, was er nicht will, eine deutliche Darstellung dessen, was
nun wirklich möchte. Er bietet eine technische Alternative zu
bestehenden Angeboten, aber keine inhaltliche. Stattdessen
steigert sich der Autor in die Verschwörungstheorie,
"Mode-Furries" und "Mode-Weres"
würden "seine" Kanäle unterwandern. Er übersieht
dabei, dass es keine Besitzer von IRC-Kanälen gibt. Wenn überhaupt
jemand eingedrungen ist, dann ist es er; zumindest im Falle von
#wolfsrudel, der Kanal existierte nämlich vorher schon. Ebenso
ist jedes Forum gestaltet durch seine Teilnehmer, es gibt keine
Besitzstände. Weiterhin würde mich interessieren, wo bitte er
Zensur gesehen haben möchte. Mir ist kein einziger Fall bekannt.
Sollte er Banns im IRC meinen: das ist keine Zensur,
und in den Fällen, in denen ich mitbekommen habe, dass er von einem Bann
betroffen war, war dies durch sein soziopathisches Verhalten
auch voll und ganz gerechtfertigt.
Furries
Nun, warum ist dies überhaupt wert, in irgendeiner Art und Weise beachtet zu
werden? Hier wird, wiedereinmal, ein Konflikt zwischen "Furries"
und "Weres" konstruiert, der schlicht nicht existiert. Er
existiert zum einen deshalb schon garnicht, weil es keine
"Were-Community" gibt. Dagegen kann man die
Furry-Community durchaus schon als Subkultur bezeichnen.
Spätestens seit der Gründung der Newsgruppe alt.lifestyle.furry sind wir, die wir uns (in
welcher Definition auch immer) als Werwesen betrachten, im
Furridom integriert. In gewisser Weise haben sich beide Gruppen im
(überwiegend) amerikanischen Bereich der Usenet
Newsgruppen eine kurze Zeit parallel entwickelt.
Ein erkennbares Furry-Fandom gibt es seit mitte der 80er Jahre,
entstanden auf Science Fiction Conventions in den USA und gegründet
von Rollenspiel- und Comicfans wie auch von Autoren. Erst mit
der ersten echten Furry
Convention wuchs das
Furry Fandom über den
engen Freundeskreis von Hobby-Künstlern hinaus und fing schon
dort an, weitere Gruppierungen wie zum Beispiel Fursuit- und
Maskottchen-Gestalter aufzunehmen. Auch wurde sehr früh der
Grundstein zu den Ausprägungen gelegt, die wir oft als Furry
Lifestyle bezeichnet werden. Der Begriff Lifestyle ist hier übrigens
sehr breit zu sehen und der Versuch einer Erklärung würde den
Rahmen dieses Textes sprengen. Mit der Verbreitung des Internets
in den USA Ende der 80er Jahre kam das Online-Rollenspiel, hauptsächlich
das Furry MUCK, auf. Aus diesen Kreisen wurde 1991 die
Newsgruppe
alt.fan.furry gegründet, die schon kurze Zeit später
neben Rollenspielern eigentlich allen Untergruppen des Furry Fandoms
als Diskussionsforum diente.
Weres
Im Jahr 1992 wurde die Newsgruppe
alt.horror.werewolves im Rahmen
der Einrichtung der alt.horror.*-Hierarchie gegründet. Inhalt
zunächst die Diskussion über Horror-Literatur und -Filme. Nun gibt
es nicht allzuviele Bücher und Filme über und mit Werwölfen, so dass
nach einiger Zeit die Frage aufkam, warum sich die Leser der Gruppe
überhaupt für dieses Thema interessieren. Es stellte sich heraus,
dass sich nicht wenige Teilnehmer selbst als Werwölfe oder Wölfe
sehen -- oder vielleicht auch nur ein solches Wesen sein wollten.
Es kamen Teilnehmer hinzu, die eine spirituelle Verbindung zu
Wölfen hatten. Und es beschränkte sich bald nicht mehr auf Wölfe,
andere Spezies kamen hinzu. Auch begannen einige Teilnehmer zu
zeichnen, es kamen Teilnehmer aus der Furry-MUCK Ecke hinzu,
für die ihre Rollenspiel-Charaktere mehr als nur Spielfiguren waren, oft
ein Spiegel ihrer eigenen Persönlichkeit.
Newsgruppen-Probleme
Dadurch schwappte das Gespräch darüber, wie sehr die eigene
Rollenspiel-Figur die eigene Persönlichkeit reflektiert, auch nach
alt.fan.furry über. Einige der Teilnehmer dort sahen die bloße
Diskussion angeblich als große Gefahr für das Furry Fandom
-- die tatsächlichen Gründe hatten aber mehr mit persönlichen Antipathien
der Gegner der Diskussion gegenüber dem Fandom als solches oder
einige ihrer Teilnehmer.
Auch auf alt.horror.werewolves gab es Probleme. Die Gruppe erfreute
sich ungemeiner Zuwächse an Teilnehmern, von anfangs nicht mehr
als 20 Artikeln pro Woche wuchs das Aufkommen auf über 300 Artikel
pro Tag. Durch das unglaubliche Wachstum des Internets in den 90ern
Jahren bewegte sich das Usenet auch aus seinem ursprünglich
akademisch geprägtem Umfeld. Die Probleme mit Teilnehmern, die
die Newsgruppe als Rollenspielplatz betrachteten möchte ich hier
nicht betrachten. Es kamen auch Teilnehmer hinzu, die allen
Ernstes die Vernichtung der Menschheit forderten -- sich selbst
natürlich ausgenommen, denn sie seien schließlich Werwölfe und
keine Menschen.
Die Flamewars schwappten natürlich auch auf alt.fan.furry,
was das Ansehen von Werwesen dort natürlich
nicht gerade steigerte. Zudem wurden auch mehr Leute mit
Sonderinteressen im Furry Fandom sichtbar (gegeben hat es sie
von Anfang an). Menschen, für die Plüschtiere ein Fetisch sind,
Zoophile und noch immer mehr Leute mit einer wie auch immer
gearteten spirituellen Verbindung zu Tieren. Es war noch nicht
einmal eine sachliche Diskussion über diese Themen möglich, sie wurde
sofort durch fanatische "Saubermänner" in der Gruppe niedergerschrien.
Dies führte schließlich 1996 zur Gründung der Newsgruppe
alt.lifestyle.furry.
Die Rolle von Pinky
In diesem aufgeheizten Umfeld tauchte eine junge Künstlerin mit
Namen Pinky auf. Ms. Pinkelton
stellte sich auf alt.horror.werewolves als Wölfin vor und zeichnet Tiermenschen.
Das Furry Fandom hatte
sie auch schon gefunden, ihre Zeichnungen stellte sie dort ebenfalls
vor. Sie beteiligte sich auch an den Diskussionen auf alt.fan.furry,
nahm diese aber leider zu ernst und formulierte unter dem Eindruck
der Diskussion die These, dass Weres und Furries
nichts miteinander zu tun hätten. Diese verteidigte sie recht massiv,
obwohl sie schon zu der Zeit unter anderem Namen ihre Zeichnungen auch im
Furridom veröffentlichte. Später relativierte sie ihre
Einschätzung allerdings. Die Legende, dass Furries und
Weres Welten trennen, hat sich aber leider
bis heute gehalten, wird immer wieder unkritisch übernommen oder zur
Begründung zweifelhafter Einstellungen herangezogen.
Finale
Letztlich ist aber alles nichts weiter als die Folge eines
Kränkung einer einzelnen Künstlerin, ausgelöst durch
Diskussionen in einem kleinen Teils des Internets, der das Furridom
nicht repräsentiert und der die einzige Heimat einer kleinen
Gruppe von Werwesen war. Diejenigen, die sich damals in
alt.horror.werewolves zuerst als Werwölfe bezeichneten, sind heute
(mit nur wenigen Ausnahmen) im Furridom zu finden. Man kann sie
auf Furry
Conventions treffen oder von ihnen in
alt.lifestyle.furry lesen. Die einzigen Konflikte sind privater Natur. Und ich hoffe,
dass sie sich in Zukunft darauf beschränken, ohne alte Geschichten
immer wieder aufzuwärmen.
Aber glaubt nicht, es gäbe niemanden mehr, der sich an die "alten
Zeiten" erinnern könne.
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Letzte Änderung: 2004-01-09 |
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