Triebtäter

"Hey, sie perverses Schwein!" Wütend dreht sie sich um und knallt ihm eine. Bernd hat es wieder getan. Im Bus. Vor allen Leuten. Ihre Brüste begrabscht. "Tut mir leid, es ist einfach über mich gekommen, ehrlich." Er sah ihre grünen Augen, von denen eine geradezu hypnotische Ausstrahlung ausging. "Sie sollten sich in psychatrische Behandlung begeben!" Er bewunderte den muskulösen und doch gut proportionierten Körper der jungen Frau. Wie alt mag sie sein? Zwanzig? -- "Da war ich schon. Nach einem halben Jahr wurde mein Psychater wegen Sex mit Kindern zu 5 Jahren Haft verurteilt." Er lachte kurz. "Und der wollte mir helfen." Unentwegt sah sie ihn an. Er konnte ihrem Blick nicht ausweichen und sah immer nur diese wundersamen grünen Augen. Ihm kam eine Idee, weiß der Kuckuck woher. Sie war abenteuerlich, aber vielleicht... -- "Darf ich sie zum Abendessen einladen? Zu mir nach Hause?". Welcher Teufel reitet ihn eigentlich, ihr ein solches provozierendes Angebot zu machen? Als sie zusagte, glaubte er, sich verhört zu haben. "Ja, gerne!" wiederholte sie lächelnd. Er konnte nicht wissen, was diese Nacht auf ihn zukommen würde.

Den ganzen Tag beschäftigen sich seine kranken Gedanke damit, was er mit ihr machen würde. Als erstes ein gutes Essen. Bevor sie stirbt, soll sie noch einmal ein richtig gutes Essen haben. Schließlich war er gelernter Koch. Dann würde er sie vergewaltigen. Und schließlich, als Höhepunkt, wird er ihr bei lebendigem Leib den Bauch mit dem langen Küchenmesser aufschneiden. Ganz langsam. Sie soll etwas von ihrem Tod haben. Sie soll ihre eigenen Gedärme sehen. Schon bei dem Gedanken daran geriet er in sexuelle Erregung. Endlich bekam er die Gelegenheit, seine geheimsten Fantasien auszuleben.

"Das Essen war wunderbar." Bernd fühlte sich geehrt. Nach all den Jahren der Arbeitslosigkeit war er immer noch ein guter Koch. "Es war ein schöner Abend und ich --" - "Warten sie, ich muß ihnen noch etwas zeigen." Er führte sie in sein Schlafzimmer. Die Tür schloss er hinter sich ab und legte den Schluessel auf den Kleiderschrank. Es war alles vorbereitet. Dann zog er sich aus. Sie stand da, und er hatte fast den Eindruck, es würde sie belustigen. Nackt stand er vor ihr. "Du auch!" befahl er - "Wie bitte?" - "Du sollst dich auch ausziehen!" Sie blieb einfach stehen. "Dann eben so!" Bernd riß ihr die Kleider vom Leib. Sie ließ ihn gewähren. Er dachte, irgendetwas stimmt mit der doch nicht. Ihre beiden Armen gepackt, schleuderte er sie auf sein Bett. Kein Widerstand. "Du verdirbst mir den ganzen Spaß!" schrie er. Dann packte er wieder zu, fester als zuvor. Doch wo er gerade noch ihre Oberarmknochen spürte, war nur noch weiches Muskelgewebe. Verdutzt ließ er von ihr ab. "Was um alles in der Welt...?" Ihr Körper beginnt, eine durchsichtige, gelatineartige Masse abzusondern. Die fingerdicke Schleimschicht überzieht in kürzester Zeit den ganzen Körper. Bernd kann erkennen, wie sich Haut und Haare auflösen und rotes Muskelfleisch sichtbar wird. Ihre Arme verschmelzen mit dem Oberkörper. Und wo gerade noch ihre Beine waren, ist jetzt ein einziger, schleimig roter Strang. Fassungslos starrt Bernd auf die Metamorphose, unfähig sich zu rühren. Ihre Schädelknochen lösen sich auf. Der Kopf bekommt fast die Größe des restlichen Körpers, wärenddessen wächst ihr Körper immer länger wird. Ein neuer Kiefer bildet sich und Bernd erkennt, in was sich das Mädchen verwandelt. Die Schleimschicht verfestigt sich zu einer schuppigen Haut. Ein gelb-braunes Muster zeichnet sich darauf ab.

Eine 3 Meter lange Schlange mit dem Durchmesser eines Menschen kriecht auf Bernd zu. Er befreit sich aus seiner fassungslosen Starre. Wo ist der Schlüssel? Er kann ihn in seiner Panik nicht finden. Verzweifelt versucht er, die Tür einzutreten -- vergebens. Er spürt die Zunge der Schlange seine Beine abtastet. Dann packt sie ihn, windet sich um ihn und reißt ihn zu Boden. Bernd versucht zu schreien, doch er bekommt dazu nicht genug Luft. Dann kontraktiert die Schlange ihre Muskeln. Bernds Knochen zerbersten unter ihrem Würgegriff. Er es kann hören. "Wieso bin ich immer noch bei Bewußtsein?" Sein zerquetschter Körper ist ein einziger Klumpen Schmerz. Die Schlange beginnt ihn herunter zu würgen, mit den Beinen zuerst. Und Bernd betet. Zum ersten mal in seinem Leben betet er. "Mein Gott, womit habe ich DAS verdient? Ich habe gesündigt, ich habe schwere Verbrechen begangen. Ich bekomme meine gerechte Strafe. Aber bitte, laß es genug sein! Laß mich jetzt sterben!". Er spürt, wie sich die unteren Teile seines Körpers zersetzen, auflösen. Doch er bleibt bei Bewußtsein, bis die Schlange seinen Kopf verschluckt. Elendig erstickt er schließlich.

Am naechsten Morgen zog sie sich an. Sie war wie immer gut vorbereitet und hatte eine komplette Garnitur Kleidung mit. Als sie das Haus verlies, lief sie in ein Fahrrad. Der junge Mann lief rot an und entschuldigte sich vielmals für das Befahren des Bürgersteiges. Er war muskulös, südländischer Typ. Genau ihr Geschmack. Er lud sie zum Dinner zu zweit ein.

Copyright 1995, by Jörg Reuter